SOMMER , SONNE , SAMBA = Fliegen in Brasilien

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Es war der 27.10.07. Zwei Deutsche (wir) und 11 Schweizer inkl. Guide begaben sich auf eine lange Reise aus dem kalten Mitteleuropa ins ferne Brasilien. Das Ziel war Sao Paolo. Wir hatten uns zusammengefunden, um in Brasilien einen ultimativen Gleitschirmurlaub zu erleben. Nach einem 11stündigen Flug wurden wir von Galo empfangen. Dieser sollte uns die nächsten 3 Wochen als Fahrer und „Aufpasser“ zur Verfügung stehen. Er ist Präsident des Gleitschirmclubs von Rio de Janeiro und kennt sich bestens in den Fluggebieten aus. Zur Verstärkung brachte er noch Max, einen gebürtigen Schweizer, mit. Dieser lebt in Rio, arbeitet dort als Tandempilot und stand uns als Dolmetscher zur Verfügung.

Im bereitstehenden Sprinter ging es nonstop nach Rio de Janeiro. Zimmer in einem schönen Hotel direkt am Strand warteten schon auf uns. Jetzt war Ausruhen angesagt! 4 Stunden Zeitverschiebung, der lange Flug und die ungewohnte Hitze waren schon sehr gewöhnungsbedürftig.

Tag 2:

Der Bus stand bereit. Heute sollte es zum Startplatz „Pedra Bonita“ gehen. Dieser brachte uns zum Staunen. Der nicht gerade großzügige Startplatz liegt im größten, städtischen Nationalpark der Welt mitten in Rio de Janeiro.

Er befindet sich unterhalb der Drachenrampe und ist so steil, dass der einheimische Starthelfer die Gleitschirme mit einem Sandsack beschweren muss. Perfektes Starten war gefragt, die Anlauffläche beträgt maximal 2 bis 3 Meter.

Aber die Sicht auf Rio und die Aussicht auf einen atemberaubenden Flug überwog und somit machten wir uns alle startfertig. Wenn man startklar ist, macht man sich den Drachenfliegern gegenüber bemerkbar, wenn diese ein lang gezogenes „BOM VÔO“ (guten Flug) zurufen, darf man starten. Dies ist zur Vermeidung einer Kollision unbedingt erforderlich. Dann starteten wir alle zu unserem ersten Flug.

Es war ein einmaliges Gefühl, über die Hochhäuser von Rio zu gleiten, wobei man linker Hand die Christusstatue sehen konnte. Gelandet wird am offiziellen Landeplatz neben dem wunderschönen Strand oder bei Bedarf auch direkt am Strand, der aber vornehmlich den Drachenfliegern vorbehalten ist, die als Tandempiloten den ganzen Tag Touristen herunterfliegen. Man muss also schon die Augen offen halten, um den zahlreichen Drachen nicht in die Quere zu kommen.

Nach der Landung lebt man dort wie „Gott in Brasilien“. Die komplette Ausrüstung wurde auf einen Stapel gelegt. Einer von den einheimischen, flugbegeisterten jungen Brasilianern, die sich den ganzen Tag am Landeplatz aufhalten, kümmert sich um das perfekte Sortieren und Zusammenlegen (Anm.: so gut waren unsere Gleitschirme noch nie gepackt). Dafür verlangte er lediglich umgerechnet 1 €. Die einheimischen Jugendlichen können sich das Gleitschirmfliegen finanziell nicht erlauben und erhoffen sich durch diese Nebeneinkünfte,  irgendwann vielleicht mal selbst eine Ausrüstung kaufen zu können.                                       

Also mussten wir uns einfach an die Strandbar setzen und konnten die erste frische Kokosnuss genießen. Wenn das kein Urlaub ist!!!

Tag 3:

Wir starteten einen Tagesausflug nach Sampaio Correia, welches ca. 70 km von Rio entfernt liegt. An der Tankstelle im Dorf erwartete uns eine gelungene Mischung aus Jeep, Traktor und LKW, der uns für wenig Geld zum Startplatz bringen sollte, da der Weg dorthin mit einem normalen Fahrzeug nicht zu bewältigen ist. Wir hatten sehr viel Spaß, denn mit so einem Vehikel wird man nicht alle Tage zum Fliegen transportiert.

Was uns erwartete, war ein topp gepflegter Startplatz mit atemberaubender Aussicht.

Wir konnten trotz des aufwändigen Transfers 2 schöne Flüge von bis zu 1 ½ Stunden absolvieren und sind zufrieden wieder Richtung Rio aufgebrochen.

Tag 4:

Wir brachen auf, um den nördlichen Teil Brasiliens zu erkunden.

Das Wetter verhinderte unseren ursprünglichen Plan, in den Süden zu fahren. Die Flexibilität der Tourorganisation ermöglichte uns diese spontane Planänderung. Wir fuhren immer dem guten Wetter hinterher und blieben dort, wo es schön war und uns gefiel.

Unser nächster Halt war Petropolis, ca. 80 km von Rio entfernt. Nachdem wir am Startplatz ankamen, wurden wir hilfsbereit vom örtlichen Fluglehrer eingewiesen. Dies war erforderlich, denn dieses Fluggebiet ist nicht einfach zu bewältigen.

Der Landeplatz am Ende des Tals vor der Ortschaft ist nicht mit dem Gleitwinkel eines Gleitschirmes zu erreichen. Es muss zwischendurch an den drei vorgelagerten Hügeln genügend Höhe getankt werden. Vier Piloten schafften es bis zum Landeplatz, für die anderen endete der Flug wohlbehalten auf den Notlandeplätzen, über die man sich im Vorfeld jedoch genauestens informieren muss.

Weiter ging es mit dem Bus in Richtung Leopoldina, wo wir spätabends in einem einfachen Hotel eincheckten und erst einmal Grundnahrungsmittel ( Fleisch, Bier und Cocktails) zur Stärkung zu uns nahmen.

Gegessen wird in Brasilien überwiegend Rodizio. „All inclusive“ ist die Devise. Für umgerechnet 8 bis 10 € werden einem permanent Spieße mit allen erdenklichen Sorten hochwertigem Fleisch und Geflügel angeboten. Ist man satt, reicht ein Handzeichen Richtung Kellner. Dazu trinkt man vornehmlich das einheimische, wirklich leckere Bier, das Skol. Als Nachtisch passte aber immer noch ein Caipirinha oder Cuba Libre hinein, die für umgerechnet 2 € überall zu haben sind. Ganz nach schweizer Art nahmen wir jeden Abend diesen „Schlummi“ zu uns.

Das Klima (tagsüber 40 Grad, 90 % Luftfeuchtigkeit, nachts meist nie unter 30 Grad) machte uns schon sehr zu schaffen. Da hieß es = Wasser trinken nicht vergessen!!!

Tag 5:

Das ausgiebige Frühstück, welches in Brasilien überall üppig und gesund mit viel Obst angeboten wird, stärkte uns für den Startplatz von Leopoldina. Auch dieser war topp gepflegt mit optimaler Neigung und viel Platz. Gestaunt haben wir jedoch bei der Besichtigung des Landeplatzes, soweit man diesen so bezeichnen kann. Er bestand lediglich aus einem 10 Meter breiten Grünstreifen zwischen Hauptverkehrsstrasse und einer Tankstelle. Aber was soll’s, wir hatten schließlich Abenteuerurlaub gebucht und letztendlich haben alle eine mehr oder weniger perfekte Landung hingelegt.

Nach einer kurzen Rast und Stärkung machten wir uns auf den Weg nach Covernador Valadares, dem WM-Gelände von 2005. Nach einer 11 km langen Auffahrt kann man direkt bis zum Startplatz vorfahren oder sich zweimal täglich gegen eine kleine Gebühr (10 Reais = 4 €) mit dem Shuttlebus hochfahren lassen. 10 Reais Startgebühr pro Tag sind täglich beim Club zu entrichten, der oben am Startplatz auch einen Kiosk betreibt, in dem man Essen und Getränke  bekommen kann.

Um zum offiziellen Landeplatz zu kommen, muss man den Fluss „Rio Doce“ überqueren, was aber normalerweise mit dem Gleitwinkel zu schaffen ist. Ist der Wind zu stark, besteht jedoch auch die Möglichkeit, vor dem Fluss die zahlreichen Landemöglichkeiten auf den Viehweiden in der Talmitte zu nutzen.

Wir wohnten in dem Hotel „Real Minas“ in der Innenstadt. In diesem Fluggebiet gefiel es uns so gut, dass wir eine ganze Woche dort verbrachten.  Einige von uns absolvierten sogar wunderschöne Streckenflüge. Es konnte fast jeden Tag geflogen werden. Lediglich 2 Tage blieben die Schirme in den Rucksäcken, da der Wind zu stark war.

Tag 14:

Nun wurde es Zeit für einen Ortswechsel. Nach einer intensiven Wetterabfrage im Internet zogen wir weiter in das wunderschöne Fluggebiet Castelo. Dieses war 2006 ein PWC-Gelände und kam bei den Wettkampfpiloten so gut an, dass es 2008 wieder dort stattfinden wird.

Wir suchten uns ein kleines Hotel, checkten ein und bummelten durch das beschauliche Castelo. Die landestypischen Grundnahrungsmittel standen auch hier wieder auf dem abendlichen Programm.

Am nächsten Morgen fuhren wir zum 28 km entfernten Startplatz „Correga de Uba“. Diese Fahrt führte uns durch eine wunderschöne Gegend mit Dschungel und Kaffeeplantagen, üppiger Vegetation sowie eindrucksvollen Wasserfällen. Somit war die 1stündige Auffahrt nicht langweilig. Uns erwartete ein wie immer perfekter Startplatz mit einer atemberaubenden Aussicht auf das riesige Tal.

Wir wurden sehr freundlich von den einheimischen Gleitschirmpiloten empfangen, die sich so freuten, deutsche und Schweizer Gleitschirmflieger kennen zu lernen, dass sie uns sofort zu Ihrer am gleichen Abend geplanten Grillparty einluden. Diese Einladung nahmen wir natürlich gerne an.

Nachdem wir alle wunderschöne Flüge von bis zu einer Stunde hinter uns hatten, freuten wir uns auf einen „brasilianischen“ Abend. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und uns wurde wirklich jeder Wunsch von den Lippen abgelesen.

Tag 15:

Wir konnten uns erneut über tolle Flüge in wunderschöner Natur freuen. Jeden Flug, ob thermisch oder nicht, genossen wir. Nachdem wir gelandet waren, wurden wir nochmals von den Einheimischen mit Grillfleisch und Getränken verwöhnt. Es war einfach unglaublich.

Nun hieß es Abschied nehmen, wir waren inzwischen 15 Tage unterwegs, so dass wir uns langsam wieder Richtung Sao Paolo aufmachen mussten. Diese Strecke konnte nicht an einem Stück bewältigt werden. Also fuhren wir bis Rio den Janeiro, wo wir nochmals einen 2tägigen Zwischenstop einlegten. Leider wurden wir mit Dauerregen empfangen, jedoch hatte uns  unser Tourorganisator als Trostpflaster in dem Nobelhotel „Astoria Palace“ direkt an der Copacabana angemeldet. Wir lebten dort wie Könige = Whirlpool, Sauna und viele andere Annehmlichkeiten. Bei so einem Luxus tritt das schlechte Wetter in den Hintergrund.

Wir verbrachten 2 Tage mit Sightseeing, Shopping und einem beeindruckenden Ausflug in die Favela „da Rocinha“ in Rio. Max erklärte uns, dass diese gleich nach der Favela von Mexico-City die zweitgrößte auf der Welt sei. Er selbst lebt dort mit einer hübschen Brasilianerin und den zwei gemeinsamen Kindern.

Am letzten Tag vor unserer Abreise ging es wieder Erwarten doch zum Fliegen und als Abschluss wurde uns dann noch ein wunderschöner Flug, sogar mit Hochhaussoaring, in Rio beschert.

Tag 18:

Es ging mit einer Zwischenübernachtung in einem Chalet in Caraguatatuba weiter Richtung Sao Paolo. Dort verbrachten wir noch zwei Nächte in einem schönen Hotel in der Nähe des Flughafens. Wir hatten Gelegenheit, uns die Stadt anzusehen und uns auf eine ausgiebige Shoppingtour zu begeben. Ein kleiner Ausflug am vorletzten Tag führte uns noch in die Nähe von Atibaia, wo die brasilianischen Acro-Meisterschaften stattfinden sollten. Es war zwar wetterbedingt nicht fliegbar, doch den großen „Acro-Artisten“ beim Groundhandling zuzusehen, war schon ein Erlebnis.

Nunmehr stand uns der elfstündige Rückflug bevor, den wir jedoch mit den tollen Erlebnissen im Gepäck gut überstanden.

Nachdem wir uns in Zürich von unseren alten und neuen schweizer Freunden verabschiedet hatten, machten wir uns weiter auf den Weg nach Köln.

Eins war uns jedoch sofort klar, wir waren nicht das letzte Mal in Brasilien. Dieses wunderschöne Land mit den gastfreundlichen Menschen und den tollen Fluggebieten muss man einfach kennen lernen. Da es jedoch das fünftgrößte Land der Welt ist, werden wir noch öfter hinfahren müssen, um alles ausgiebig erkunden zu können.

Wir würden jederzeit wieder bei dieser Tourorganisation diese Reise buchen. Das Konzept, vorab keine Unterkünfte zu buchen und dorthin zu fahren, wo es schön ist, hat uns sehr gut gefallen. Dadurch war man flexibel und nicht an einen Ort gebunden.

Man sieht sich in Brasilien………                VÔO LIVRE

 

Infos:

Brasil. Verband:                            www.abvl.com.br

Fluggebieteführer:                       Guia 4 Ventos 

Herausgeber

Carlos Millan         www.guia4ventos.com.br                                        

Tourorganisation: Andy Flühler  www.flywithandy.ch

Fahrer: Placido Faria (Galo)          www.toflyrio.com.br       galo@toflyrio.com.br           spricht nur brasilianisch    (leider verstorben) 

Max Kälin                        Tel. +55 218 8079693  maxvoolivre@yahoo.com.br spricht deutsch und brasilianisch

 

Fluggebiete:

Rio de Janeiro (RJ)

Pedra Bonita SP: Mitten im Tijuca Nationalpark(größter städtischer NP der Welt)

SP: 520 m   SW-SO                        HU: 520 m

Steile Rampe für GS und HG

S22°59.30 – W043°10.71

LP: Grünfläche oder Strand Praia do Pepino, Sao Conrado

Unterkünfte:

Hotel: Praia Linda, Barra da Tijuca                    www.hotelpraialinda.com.br

reservas@hotelpraialinda.com.br         +55 21 2494 2186

Hotel: Astoria Palace direkt an der Copacabana          

www.astoriapalace.com.br                    +55 21 2545 9550

 

Sampaio Correia (RJ)

 

Ca. 70 km von Rio  de Janeiro entfernt (Richtung Niteroi)

Auffahrt nur mit  Allradfahrzeug möglich, der ansässige Club organisiert Auffahrten.

SP: 570 m     S-SO              HU: 470 m

S22°50.41 – W042°38.90

LP: Offizieller LP rechts vor dem Ort an der Farm

           

Petropolis (RJ)

Ca. 80 km von Rio  de Janeiro entfernt

SP: 750 m     S-SO-SW                  HU: 720 m

S22°32.27 – W043°13.68

LP: Am Ende des Tals vor der Ortschaft, Achtung weite Strecke, nicht mit Gleitwinkel zu erreichen.

Leopoldina (MG)

Einfaches Fluggebiet am Ortsausgang von Leopoldina

SP: 580 m     N-NW                         HU : 355 m

S21°33.030 – W042°38.61

LP: Auf dem Grünstreifen and der Strasse vor der Tankstelle oder abgemähtes Feld im Tal.

Unterkunft:

Hotel Palace: Einfaches Hotel in der Innenstadt von Leopoldina

Covernador Valadares, Pico do Ibituruna (MG)

Das WM Gelände von 2005, Beindruckendes Fluggebiet mit lange Auffahrt (11 km). Zwei mal Täglich mit Clubshuttle möglich. 10 Reais Startgebühr täglich beim Club zu entrichten.

SP: 1123 m   S-SO-NO-NW-SW   HU: 860 m

S18°53.18 – W041°54.90

LP: Offizeller LP am Rio Doce (Flußquerung) oder Viehweide in der Talmitte

Unterkunft:

Hotel Real Minas, in der Innenstadt Covernador Valadares

www.realminas.com.br

reservas@realminas.com.br                                 +55 33 3271 6751

Castelo – ES, Corrego de Uba (ES)

Das PWC Gelände von 2006, Fluggebiet inmitten eindrucksvoller Natur, lange Auffahrt (28km von Castelo entfernt, ca 1h). .

SP: 950 m     N-NO                          HU: 760 m

S20°36.216 – W041°11.083

LP: in Talmitte einige abgemähte Flächen, beim Club erfragen

Unterkunft:

Hotel Regina, in der Innenstadt Castelo